Analyse
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Analyse der Aktion
mit Hörbeispielen
 

Die Multimedia-Kunstaktion  "Korrelationen"  wurde von Kranemann und BrindlArt im Rahmen der Ausstellung "Russisch - Paris" für das Von der Heydt-Museum konzipiert und realisiert.

Die Intention von Kranemann und BrindlArt war es, sich in dieser einstündigen Multimedia-Aktion mit den beiden wegweisenden Künstlern des beginnenden 20. Jahrhunderts, Wassily Kandinsky und Arnold Schönberg und dessen innerer geistigen Verbundenheit zu beschäftigen. Gleichzeitig wollten Kranemann und BrindlArt das Geistige in der Kunst, wie es schon Kandinsky propagierte, in unsere Zeit, einer Zeit des beginnenden kulturellen Verfalls, transportieren.

Obgleich der Komponist Arnold Schönberg direkt nichts mit der Ausstellung "Russisch-Paris" im Von der Heydt-Museum zu tun hat, war er doch geistig eng mit dem Schaffen von Kandinsky verbunden. Zudem waren beide Künstler über lange Jahre befreundet und hatten sich gegenseitig künstlerisch befruchtet. Ein weiterer vielleicht nicht unerheblicher Aspekt ist die Tatsache, dass BrindlArt, wie Arnold Schönberg, sein künstlerisches Schaffen in Wien begann und sich geistig eng verwoben mit dem deutschen Künstler Kranemann fühlt.

Auch Kranemann und BrindlArt sind in ihrer gemeinsamen Arbeit - wie Kandinsky - versucht, den gemeinsamen Nenner der Künste, die „Übersetzbarkeit“ der einen Kunstgattung in die andere zu erforschen.
Den Experimenten mit Wechselbeziehungen von Malerei, Klang, Gesellschaft in der Kunst, denen sich Kranemann und BrindlArt verschrieben haben, wird in dieser Arbeit mit der Wahl des Titel "Korrelationen" explizit Ausdruck verliehen.

Die künstlerischen und technischen Mittel, die uns heute zur Umsetzung der Forschung mit Korrelationen zur Verfügung stehen, sind erheblich umfangreicher, als es zu Kandinskys Zeiten der Fall war. Die Möglichkeiten, die uns heute moderne Synthesizerklangsprachen und moderne Aufnahmetechniken bieten, sind unerschöpflich. Somit ist das "Auszulösende" ein anderes als früher. Die Wechselbeziehungen, die innere geistige Verbundenheit, die Zusammenhänge, die Abhängigkeiten, die von akustischen und optischen Reizen mittels Farbe, Klang und Sprache ausgelösten Nuancen, lassen die Wahrnehmungsmuster in unserem Gehirn transzendieren und lösen ihrerseits neue Impulse aus.

Analyse der Aktion "Korrelationen"

Während der Betrachter optisch mit Farbflächen und einer komponierten Strichsprache der von Kranemann und BrindlArt projizierten Textanalyse Kandinskys auf die Bildebene versorgt wurde, konnte er akustisch mehreren Spuren einer Klangkomposition folgen. Die Klangaufnahme für die Aktion wurde derart konzipiert, dass neben einer "seriellen" Wahrnehmung auch eine "parallele" Wahrnehmung möglich ist. Die zuvor von Kranemann und BrindlArt im Tonstudio aufgenommenen Klänge wurden parallel gemischt, sodass man beim Hören von einer Spur in eine anderen springen konnte.  Die vermischten Klavierklänge werden von Synthesizerklängen und mittels Effektgeräten erzeugten Klangpaketen abgelöst und gleichzeitig verwischt (Hörbeispiel hier anklicken). Der Hinter- und Vordergrund-Klang wechselt sich ständig ab und transportiert die Töne und Klänge in Spuren, sodass der Hörer sowohl bewusst, wie auch unbewusst vom Klang getragen und transportiert wird. Verschiedene Klangebenen und Klangspuren steuern das Hören.

Gleichzeitig übernimmt der Farbenklang der Malerei die Klangfarben der Töne.

Die synästhetische Begabung, die Kandinsky zugesprochen wird, wurde von Kranemann und BrindlArt (beide Künstler sind keine Synästheten) in der Gesamtkomposition nachempfunden. Zu Beginn der eigentlichen Malaktion mischen Kranemann und BrindlArt süßliche, aufgehellte Farben und die Primärfarben Gelb, Cyan und Magenta mit den atonalen Klavierklängen von Schönberg. Die ersten in die Klangfolge eingemischten und verwischenden Synthesizerklänge werden dann malerisch mit Wasser eingetragen. Farbkleckse, die zur Auflösung der automatisch entstehenden Farbflächengrenzen dienen, werden mit Klängen untermalt. Immer wieder werden die in der Analyse unter Punkt 2 von Kandinsky, "Gegensätze", mit "Komplementärklängen" und Komplementärfarben umgesetzt. Beim ersten Einsatz von Linien und Konturen im bildnerischen Werk mit Schwarz setzen Saxophonklänge parallel mit spitzen "Klangseitensprüngen" ein (hier Hörbeispiel anklicken), die von weichen Spracheffekten zum Teil übertönt und übernommen werden. Diese Passagen wirken beim isolierten Hören dominierend, beim Hören und gleichzeitigen Betrachten der Malerei während der Aktion jedoch begleitend.
Durch das ständige Betreten des 6 x 4 m großen Bildträgers mit feuchten und mit Farben benetzten Füßen verwischen die umgebenden Konturen mit den begleitenden Farbflächen. Dieses Verwischen der Umrisslinien wurde von Kranemann und BrindlArt bis zu einem bestimmten Zeitpunkt der Aktion bewusst als Stilmittel eingesetzt und als - von Kandinsky unter Punkt 9 aufgeführten - "Auflösung", gewertet.


Um die in der Bildanalyse Nr. IV von Kandinsky aufgeführten 4 von 9 Elementen, WiderspruchZusammenklang der Massen,  Überfließen, und Auflösung symbolisch unterstreichend gerecht zu werden, haben die Künstler das Gesamtwerk eine Nacht der Witterung ausgesetzt. Die Künstler lösten dann das Bild in einzelne Fragmente auf. (Diese Fragmente sind im Art-Shop zu betrachten und zu erwerben).

Eine der zuvor beschriebenen Klangebenen ist die Klangspur der Sprache: Kranemann und BrindlArt mischen in die Gesamtkomposition Teile von historischen Texten, Texten aus der schriftlichen Korrespondenz zwischen Kandinsky und Schönberg und Texte über Striche, Linien und Wahrnehmungstechniken ein. Diese Spur kann isoliert betrachtet und als eigenständiges Klangpaket wahrgenommen und aufgefasst werden. Symbolisch ist es eines von zwei Klangzentren, die auf Punkt 4 der Analyse von Kandinsky "Zwei Zentren" hinweisen soll. Sprache ist ein dominierendes Kommunikationsmittel und wird auch im Gesamtkunstwerk als Mittel der Informationsübertragung eingesetzt.  

Als weitere Klangspur lässt sich folgende Komposition von Kranemann beschreiben: 12 Ton-Komposition, basierend auf einer 12-Ton-Reihe nach dem Zufallsprinzip: f, cis, g, h, a, e, d, es, gis, fis, c, bb. - Daraus entwickelte Kranemann folgende Akkordkombinationen: f-cis, g–h, a-e, d-es, gis-fis, c-bb / f-cis-g, h-a-e, d-es-gis, fis-c-bb / f-cis-g-h, a-e-d-es, gis-fis-c-bb.
Diese Kranemann-Zwölftonreihe wurde Schönberg-Zwölftonreihen gegenübergestellt. Um das Klanggebilde in unsere Zeit zu transformieren, benutzt Kranemann synthetische Computerklänge im Gegensatz zu Schönbergs Klavierklängen.

 

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