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Eine Kunstaktion auf der
Königsallee in Düsseldorf

am 11.12.2004 von 11:00 - 12:00 Uhr

 

Kunstkartoffel Kranemann Kunstkartoffel Kranemann Kunstkartoffel Kranemann
 


Kranemann + BrindlArt  verschenken in der hektischen und Konsum orientierten Vorweihnachtszeit an vorbeieilende Passanten auf dem Luxusboulevard Königsallee in Düsseldorf eine Kartoffel mit dem Aufdruck „Die Kunstkartoffel“.

Die Zahl der Menschen, die die Armutsgrenze erreichen, steigt.
Gleichzeitig erhöht sich die Zahl der Millionäre.

     

Die Kartoffel  - Ernährer der Menschheit
Die aus den südamerikanischen Anden stammende Knolle Kartoffel ist neben Weizen, Reis und Mais die wichtigste Kulturpflanze und wichtigstes Nahrungsmittel der Erde. Durch die Entdeckung Amerikas kam die Kartoffel nach Europa und wurde weltweit zum Grundnahrungsmittel.
Um 1550 gelangte die Frucht wegen ihrer schönen Blüten und des üppigen Laubes als Zierpflanze in Königshöfe nach Europa. Erst als Luxusware und botanische Kostbarkeit verstanden, erkannte man schnell, dass es sich bei dem Rhizom (Erdfrucht) um eine leicht zu produzierende und nahrhafte Speise handelt.
Im 18. - 19. Jahrhundert avancierte die Kartoffel dann zur Hauptnahrungsquelle der breiten Bevölkerung und löste eine Bevölkerungsexplosion, vor allem in Irland aus. In Irland hatte man, außer der Kartoffel, kaum etwas zu essen, da es als Exportland für England gezwungen war, Weizen und andere Nahrungsmittel nach England abzuführen. Mit der Kartoffel stieg die Bevölkerungszahl Irlands von 1,5  auf 8,2 Millionen Menschen.

Die Katastrophe allerdings kam im Jahre 1848 (*) mit einer Pflanzenkrankheit, der Kartoffelfäule. Hunderttausende Menschen in Europa starben an Hunger und eine unglaubliche Auswanderungswelle in die USA war die Folge. Um nach Übersee zu gelangen, verkauften die Menschen sich selbst an Schiffseigner und Subunternehmer. Über Jahrzehnte lang mussten sie dann in der Neuen Welt mit ihrer Arbeitskraft bezahlen.

Von der Ostküste der USA setzte sich die Menschenwelle gen Westen fort und der Kontinent und die Eingeborenen wurden regelrecht überrannt. Als Folge dessen wurde die nordamerikanische Indianerkultur zerstört. -  So lässt sich konstatieren, dass ein Geschenk aus der Neuen Welt (den Anden) und seine Folgen in der Alten Welt (in Europa), drei Jahrhunderte später die Indianerkultur in Nordamerika endgültig zerstörte.

 

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Die Kartoffel  -  Erdapfel -  Der Name
„papa“, „amka“, „choke“,,„batatas“, „Erdapfel“, ….

In der Quechua-Sprache der Inkas hießen die Kartoffel „papa“, aber es gab noch über tausend verschieden Namen für dieses Grundnahrungsmittel der Anden-Kulturen.
Die Spanier nannten die Frucht „batatas“, woraus sich im Englischen „potatoes“ und im Italienischen „patatas“ bildete.
Im Jahre 1589 bekam sie den französischen Namen „taratouphli“, was soviel wie „Erdmorchel“, oder „kleine Trüffel“ bedeutete. Erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts hat sich,  ausgehend von der italienischen Wortschöpfung „Caroufle“, in der deutschen Schriftsprache die Bezeichnung „Kartoffel“ durchgesetzt.
In jedem Dialekt gibt es zahlreiche andere Bezeichnungen, wie zum Beispiel Erdäpfel, oder Erdbirnen.

Die Kartoffel - Zukunft
Die große Zeit der Kartoffel war sicherlich das 19. Jahrhundert. Die überernährten Europäer heute nehmen die Kartoffel fast nur noch im Fastfood und in der Fertignahrung zu sich. Heute hat die Kartoffel eher eine großindustrielle Bedeutung und eine als Vieh-Futtermittel in Mastanlagen. Vielleicht entdecken wir aber die Kartoffel später wieder als Delikatesse.

 

Luxusboulevard Königsallee
Düsseldorf (Landeshauptstadt NRW)
1851 erhielt die Kastanienallee in Düsseldorf als eine Art Wiedergutmachung an den preußischen König ihren heutigen Namen: Königsallee (Kurzform: KÖ).

Ihre Preußische Majestät König Friedrich Wilhelm IV. besuchte im Jahr 1848 (*) Düsseldorf. Die unruhige Stimmung gegen preußische Verordnungen, Zensurgesetze und Proteste für die Pressefreiheit war in der Stadt deutlich zu spüren. Handwerker, Gelegenheitsarbeiter, aber auch Intellektuelle und Künstler protestierten für Verbesserungen der wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse und um soziale Gerechtigkeit. Viele Menschen begleiteten johlend und mit lauten Pfiffen den königlichen Tross. Die Menschen standen dicht an dicht entlang der Kastanienallee und plötzlich traf den Regenten ein Pferdeapfel.

Vor allem die Soldaten der preußischen Garnison verstanden dieses Pferdeapfelattentat als Affront und gingen mit gezücktem Säbel gegen die Bürger Düsseldorfs vor. Vier Tote und mehrere Verletzte war die bedauerliche Bilanz am 14. August 1848.

Um die erzürnte preußische Majestät zu besänftigen, beschlossen die Düsseldorfer Stadtväter drei Jahre später, im Jahre 1851, die Kastanienallee in Königsallee umzubenennen.

Heute eine Straße für Könige
Heute ist die Königsallee ein internationaler Boulevard mit zahlreichen Luxusartikelgeschäften, Luxusrestaurants, Bankhäusern und Dienstleistungen für gehobene Ansprüche.
Geprägt ist die Meile heute von Lifestyle, vom Sehen und Gesehenwerden, der Lust am Flanieren und der gehobenen Lust am Konsum, dem Erwerb nutzloser und überteuerter Designerprodukte. 
Mehr als 15% des deutschen Außenhandels wird auf der Königsallee erwirtschaftet. 

 

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Die Aktion
Kranmann + BrindlArt fahren mit einer Schubkarre, beladen mit einer Holzkiste und einem Korb voller bedruckter und teilweise bemalter Kartoffel über die Königsallee:
 
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Die Kunstkartoffelkreise
Der Mensch hastet durch die weihnachtlich geschmückte Straße der Großstadt, begütert und angetrieben von unbändiger Konsumlust. Da schenkt ihm ein Künstler eine Kartoffel. Der Mensch ist erstaunt und verwirrt und er betrachtet das Geschenk und er nimmt es an sich voll Freude mit nach Hause. Auf dem Weg trifft er einen anderen Menschen, ohne eine Kartoffel und er bittet ihn mit ihm zu kommen, um die Kartoffel gemeinsam zu verspeisen. Der Mensch ist so dankbar und satt und zufrieden und er denkt nicht mehr an seine Kauflust. Die Taschen sind voller Kunstkartoffeln. Die Menschen sitzen jetzt zusammen und sind froh und bilden Kunstkartoffelkreise.
 

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Kunsthistorische Bezüge

Die Kartoffelesser - 1885
Vincent van Gogh

- Öl auf Leinwand
- 82x115 cm; Rijksmuseum Vincent van Gogh, Amsterdam

Die »Kartoffelesser« zeigen das Leben voller Mühsal, Plackerei und Ergebenheit in das Schicksal.

   

Kartoffelhaus, 1967
Sigmar Polke

Bemaltes Holzlattengerüst, Kartoffeln
240 x 200 x 200 cm

Sigmar P o l k e s Kartoffelhaus aus Draht mit durchgesteckten Kartoffeln vermittelt dem Betrachter den Eindruck des Unbehaustseins.

[Skizze von BrindlArt]

 

   

Ein alltäglicher Vorgang wird Kunst (soziale Plastik)
Joseph Beuys
Der Eintritt in eine Ausstellung von Joseph Beuys kostete 5 Mark, oder alternativ das Schälen einer Kartoffel.

Beuys sah in der geschälten Kartoffel und der sich ringelnden oder geschnippelten Schale eine soziale Plastik. Die Kartoffeln wurden dann abends ins Obdachlosenheim gebracht.

   

Soziale Kunst
Die Kunst muss von Zeit zu Zeit aus ihrer Normierung befreit und in ein gesellschaftliches, lebensnahes und Zeitbezogenes Problembewusstsein überführt werden.
Die Konsum orientierte, warenkapitalistische Vergnügungssucht unserer Trivialgesellschaft führt zur Verarmung menschlicher Werte. Kultur insgesamt hat die Aufgabe, den Menschen über die Bewältigung des Alltags hinaus mit Lebenssinn und Inhalten zu bereichern.

Die Aktion Kunstkartoffel
Die beiden Aktionskünstler Kranemann + BrindlArt verschenken in der Vorweihnachtszeit ein lebendes Kunstwerk - das Grundnahrungsmittel Kartoffel: Die Kunstkartoffel.
Die erdige Kartoffel ist mit einem Stempel „Die Kunstkartoffel“ bedruckt und ist essbar. Sie ist ein Denkanstoß, ein soziales Kunstwerk.

 

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