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Kranemann
+ BrindlArt verschenken in der hektischen und Konsum orientierten Vorweihnachtszeit an
vorbeieilende Passanten auf dem Luxusboulevard Königsallee
in Düsseldorf eine Kartoffel mit dem Aufdruck „Die Kunstkartoffel“.
Die Zahl
der Menschen, die die Armutsgrenze erreichen, steigt.
Gleichzeitig erhöht sich die Zahl der Millionäre.
Die
Kartoffel
- Ernährer der
Menschheit
Die aus den südamerikanischen Anden stammende Knolle Kartoffel
ist neben Weizen, Reis und Mais die wichtigste Kulturpflanze und
wichtigstes Nahrungsmittel der Erde. Durch die Entdeckung Amerikas kam die
Kartoffel nach Europa und wurde weltweit zum Grundnahrungsmittel.
Um 1550 gelangte die Frucht wegen ihrer schönen Blüten und des üppigen
Laubes als Zierpflanze in Königshöfe nach Europa. Erst als Luxusware und
botanische Kostbarkeit verstanden, erkannte man schnell, dass es sich bei
dem Rhizom (Erdfrucht) um eine leicht zu produzierende und nahrhafte
Speise handelt.
Im 18. - 19. Jahrhundert avancierte die Kartoffel dann zur
Hauptnahrungsquelle der breiten Bevölkerung und löste eine
Bevölkerungsexplosion, vor allem in Irland aus. In Irland hatte man, außer
der Kartoffel, kaum etwas zu essen, da es als Exportland für England
gezwungen war, Weizen und andere Nahrungsmittel nach England abzuführen.
Mit der Kartoffel stieg die Bevölkerungszahl Irlands von 1,5 auf 8,2
Millionen Menschen.
Die Katastrophe allerdings kam
im Jahre 1848 (*)
mit einer Pflanzenkrankheit, der Kartoffelfäule. Hunderttausende Menschen
in Europa starben an Hunger und eine unglaubliche Auswanderungswelle in
die USA war die Folge. Um nach Übersee zu gelangen, verkauften die Menschen
sich selbst an Schiffseigner und Subunternehmer.
Über Jahrzehnte lang mussten sie dann in der Neuen Welt mit ihrer
Arbeitskraft bezahlen.
Von der
Ostküste der USA setzte sich die Menschenwelle gen Westen fort und der
Kontinent und die Eingeborenen wurden regelrecht überrannt. Als Folge
dessen wurde die nordamerikanische Indianerkultur zerstört. - So lässt
sich konstatieren, dass ein Geschenk aus der Neuen Welt (den Anden) und
seine Folgen in der Alten Welt (in Europa), drei Jahrhunderte später die
Indianerkultur in Nordamerika endgültig zerstörte.
Die
Kartoffel - Erdapfel -
Der
Name
„papa“, „amka“, „choke“,,„batatas“, „Erdapfel“, ….
In der Quechua-Sprache der Inkas hießen die Kartoffel „papa“,
aber es gab noch über tausend verschieden Namen für dieses
Grundnahrungsmittel der Anden-Kulturen.
Die Spanier nannten die Frucht „batatas“, woraus sich im Englischen „potatoes“
und im Italienischen „patatas“ bildete.
Im Jahre 1589 bekam sie den französischen Namen „taratouphli“, was soviel
wie „Erdmorchel“, oder „kleine Trüffel“ bedeutete. Erst zu Beginn des 19.
Jahrhunderts hat sich, ausgehend von der italienischen Wortschöpfung „Caroufle“,
in der deutschen Schriftsprache die Bezeichnung „Kartoffel“ durchgesetzt.
In jedem Dialekt gibt es zahlreiche andere Bezeichnungen, wie zum Beispiel
Erdäpfel, oder Erdbirnen.
Die
Kartoffel - Zukunft
Die große Zeit der Kartoffel war sicherlich das 19. Jahrhundert. Die
überernährten Europäer heute nehmen die Kartoffel fast nur noch im
Fastfood und in der Fertignahrung zu sich. Heute hat die Kartoffel eher eine
großindustrielle Bedeutung und eine als Vieh-Futtermittel in Mastanlagen.
Vielleicht entdecken wir aber die Kartoffel später wieder als Delikatesse.
Luxusboulevard Königsallee
Düsseldorf (Landeshauptstadt NRW)
1851 erhielt die Kastanienallee
in Düsseldorf als eine Art Wiedergutmachung an den preußischen König ihren
heutigen Namen: Königsallee (Kurzform: KÖ).
Ihre Preußische Majestät König Friedrich Wilhelm IV. besuchte im Jahr
1848 (*) Düsseldorf. Die unruhige Stimmung
gegen preußische Verordnungen, Zensurgesetze und Proteste für die
Pressefreiheit war in der Stadt deutlich zu spüren. Handwerker,
Gelegenheitsarbeiter, aber auch Intellektuelle und Künstler protestierten
für Verbesserungen der wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse und um
soziale Gerechtigkeit. Viele Menschen begleiteten johlend und mit lauten
Pfiffen den königlichen Tross. Die Menschen standen dicht an dicht entlang
der Kastanienallee und plötzlich traf den Regenten ein Pferdeapfel.
Vor
allem die Soldaten der preußischen Garnison verstanden dieses
Pferdeapfelattentat als Affront und gingen mit gezücktem Säbel gegen die
Bürger Düsseldorfs vor. Vier Tote und mehrere Verletzte war die
bedauerliche Bilanz am 14. August 1848.
Um die
erzürnte preußische Majestät zu besänftigen, beschlossen die Düsseldorfer
Stadtväter drei Jahre später, im Jahre 1851, die Kastanienallee in
Königsallee umzubenennen.
Heute
eine Straße für Könige
Heute ist die Königsallee ein
internationaler Boulevard mit zahlreichen Luxusartikelgeschäften,
Luxusrestaurants, Bankhäusern und Dienstleistungen für gehobene Ansprüche.
Geprägt ist die Meile heute von Lifestyle, vom Sehen und Gesehenwerden,
der Lust am Flanieren und der gehobenen Lust am Konsum, dem Erwerb
nutzloser und überteuerter Designerprodukte.
Mehr als 15% des deutschen Außenhandels wird auf der Königsallee
erwirtschaftet.
Die Aktion
Kranmann + BrindlArt fahren mit einer Schubkarre, beladen mit einer
Holzkiste und einem Korb voller bedruckter und teilweise bemalter
Kartoffel über die Königsallee:
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Die
Kunstkartoffelkreise
Der Mensch hastet durch die weihnachtlich geschmückte Straße der
Großstadt, begütert und angetrieben von unbändiger Konsumlust. Da schenkt ihm ein
Künstler eine Kartoffel. Der Mensch ist erstaunt und verwirrt und er
betrachtet das Geschenk und er nimmt es an sich voll Freude mit nach Hause. Auf dem Weg
trifft er einen anderen Menschen, ohne eine Kartoffel und er bittet ihn mit
ihm zu kommen, um die Kartoffel
gemeinsam zu verspeisen. Der Mensch ist so dankbar und satt
und zufrieden und er denkt nicht mehr an seine Kauflust. Die Taschen
sind voller Kunstkartoffeln. Die Menschen sitzen jetzt zusammen und
sind froh und bilden Kunstkartoffelkreise. |
Kunsthistorische
Bezüge
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Die
Kartoffelesser - 1885
Vincent van
Gogh
- Öl auf Leinwand
- 82x115 cm; Rijksmuseum Vincent van Gogh, Amsterdam
Die
»Kartoffelesser« zeigen das Leben voller Mühsal, Plackerei und
Ergebenheit in das Schicksal. |
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Kartoffelhaus,
1967
Sigmar Polke
Bemaltes Holzlattengerüst, Kartoffeln
240 x 200 x 200 cm
Sigmar P o l k
e s Kartoffelhaus aus Draht mit durchgesteckten Kartoffeln vermittelt
dem Betrachter den Eindruck des Unbehaustseins.
[Skizze von BrindlArt] |
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Ein
alltäglicher Vorgang wird Kunst (soziale Plastik)
Joseph Beuys
Der
Eintritt in eine Ausstellung von Joseph Beuys kostete 5 Mark, oder alternativ das Schälen einer Kartoffel.
Beuys sah in der geschälten Kartoffel und der sich ringelnden oder
geschnippelten Schale eine soziale Plastik. Die Kartoffeln wurden
dann abends ins Obdachlosenheim gebracht. |
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Soziale Kunst
Die Kunst muss von Zeit zu Zeit
aus ihrer Normierung befreit und in ein gesellschaftliches, lebensnahes
und Zeitbezogenes Problembewusstsein überführt werden.
Die Konsum orientierte, warenkapitalistische Vergnügungssucht unserer
Trivialgesellschaft führt zur Verarmung menschlicher Werte.
Kultur insgesamt hat die Aufgabe, den Menschen über die Bewältigung des
Alltags hinaus mit Lebenssinn und Inhalten zu bereichern.
Die
Aktion Kunstkartoffel
Die beiden Aktionskünstler
Kranemann + BrindlArt verschenken in der Vorweihnachtszeit ein lebendes
Kunstwerk - das Grundnahrungsmittel Kartoffel: Die Kunstkartoffel.
Die erdige Kartoffel ist mit einem Stempel „Die Kunstkartoffel“
bedruckt und ist essbar. Sie ist ein Denkanstoß, ein soziales Kunstwerk.
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