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72 Stunden multimediale
Kunst 2003 -
Theorie und Analyse |
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Theoretische Überlegungen In der Bildenden Kunst wird es immer schwieriger, fast unmöglich,
neue Akzente zu setzen. Alles ist gemacht, alles ist getan, passiert und
ausprobiert - die Kunst ist fertig, die Kunst ist am Ende! Der Status quo sieht so aus, dass die Künstler abgeschottet von der Außenwelt einsam in ihren Ateliers arbeiten und immer weiter finanziell verarmen. Nur wenige Künstler haben es bis heute geschafft, künstlerisch und gleichzeitig ökonomisch zu existieren. Der gesellschaftliche Zwang ist nicht immer offensichtlich und der Großteil der lebenden „freien“ Künstler ist ihnen, ohne es zu merken, hoffnungslos ausgeliefert. Was macht der Künstler, wenn sich keiner mehr für ihn und seine Ideen interessiert? Kunst scheint immer unbrauchbarer und überflüssiger zu werden - eben KUNST. Das Publikum ist neben der gesellschaftlichen und technischen Entwicklung der letzten Jahrzehnte auch mittels der Kunst in eine neue Rolle gedrängt worden. Nehmen wir zum Beispiel die technische Entwicklung der Personal Computer und die globale Vernetzung: Diese Entwicklung hat sich nach den Bedürfnissen der Menschen gerichtet und hat so – und jetzt hier einmal abgesehen von allen negativen Begleiterscheinungen - einen ungeheuren innovativen Schub erlebt. Die Kunst hat zwar begonnen mit den neuen Medien zu experimentieren und sich schon früh den Begriff des „multimedialen“ zu Eigen gemacht, der Mensch da draußen aber wollte nicht nur zusehen, er wollte sich selbst beteiligen. Die Konsequenz ist so einfach wie simpel: das Volk entledigt sich der Kunstwerke, zerstört sie, geht nach Hause und setzt sich vor den PC. Kunstwerke, die nicht in dafür vorgesehenen Räumen geschützt werden, werden allesamt vernichtet. Dekonstruktivismus ist heute angesagt und nicht mehr Sache der Künstler. Wie sich die Kunst auch entwickeln mag, sicher ist eines, sie tut es. Aus heutiger Sicht stagniert die Entwicklung, aber wer kann schon voraussagen, wie die Sicht in 100 Jahren auf heute ist. Vielleicht wird später das, was wir heute als Stagnation empfinden, als innovativ angesehen – wer weiß.
Kunst und ihr gesellschaftlicher Auftrag Viele Künstler und Philosophen lehnen den Begriff des „gesellschaftlichen“ und auch des „politischen Auftrages“ der Künste ab und meinen, Kunst muss frei sein, auch gegenüber ihrer Gesellschaft. Der Rückblick in die Geschichte zeigt aber das Gegenteil, nämlich den engen Bezug und die Verwobenheit von Kunst und Gesellschaft und ihrer Wirklichkeit. Die größten kulturellen Schübe aber fanden dort statt, wo der Bezug zur Welt eng verwoben war. Heute scheint die Kunst keinen Bezug mehr zu ihrer Gesellschaft zu haben. Die Kunst ist zwar von allen Zwängen befreit, hat sich aber in sich selbst gefangen. So steckt sie im historischen unvergleichbaren Dilemma des Kreisverkehrs, in dem sich viele Künstler tummeln. Die einzige Veränderung ist, dass die Masse der "Künstlerseelen" im Laufe der Zeit immer größer wird. Nur die Künstler, die wirtschaftlich zugrunde gehen oder aufgeben, können diesen Kreisverkehr verlassen. Die Frage ist in der Tat, warum das so ist. Vielleicht, weil die Kunst sich vor ihrem gesellschaftlichen Auftrag verschließt! Oder weil sie keine Aufgabe mehr in Bezug auf ihre Gesellschaft hat. Aufgaben, die die Kunst in vielen Jahrhunderten übernommen hat, werden von anderen, technischen Hilfsmitteln übernommen. Nehmen wir nur die Fotografie, oder heute die virtuellen Welten. Jeder ist heute dazu in der Lage, aus dem Alltag zu flüchten und sich in eine Kunstwelt zu begeben. Wieso braucht er dann noch Bilder an der Wand und Skulpturen, oder wieso soll er ins Theater gehen, wenn er das alles auch via eigenem PC erleben kann? Wieso soll er sich mit Sprache beschäftigen, wenn der Computer ein Rechtschreib- und Grammatikprogramm bereithält? Wieso soll sich der Mensch dann für künstlerische Gedanken und Ideen und vor allem für das „H-e-r-u-m-g-e-m-a-l-e“ der Künstler interessieren? Was bleibt, ist Ignoranz! Die meisten Menschen wollen sich vergnügen und denken vielleicht nur darüber nach, ihren Körper mit einem „Tintenkunstwerk“ oder einem Metallstift zu verunstalten. Mit Kreativität aber hat dies nichts mehr zu tun. Die Kunst muss endlich beginnen, sich aus der gesellschaftlichen und –noch wichtiger - aus ihrer eigenen Isolation zu befreien. Sie hat keinen Grund mehr, überheblich und elitär zu sein. Befreit sich die Kunst nicht selbst aus ihrer scheinbaren Lethargie, werden ihre Aufgaben in naher Zukunft alle von anderen übernommen und die Kunst existiert dann nur noch als Relikt vergangener Zeiten, als Ausstellungstücke in Museen, die wir alsbald auch alle virtuell besuchen können. Die moribunde Kunst muss beginnen, nach neuen Aktionsfeldern und Schnittflächen in der Gesellschaft zu suchen, um den Abstieg in ein kulturelles Niemandsland zu verhindern. Kunst heißt nicht, Bilder malen und an die Wand hängen. Kunst heißt nicht, den Kindern in der Schule beizubringen, wie man vorgefertigte Schablonen ausmalt. - Der Aufruf alleine zum kreativen Handeln reicht nicht aus, um die Bedeutung der Kreativität für den Menschen und den Fortschritt einer Gesellschaft zu unterstreichen. Bedingungen zu schaffen, damit Kreativität sich entfalten kann, ist zentrale Aufgabe der Kunst.
Kunst und Forschung Ein Teil der Kunst ist Forschungsarbeit und Experiment. Kunst muss daher als eine Wissenschaft aufgefasst werden, als eine interdisziplinäre Systemanalyse. Kunst ist ein Erforschen, Experimentieren, ein Agieren und Reagieren, eine Dokumentation der Bewegung von Form und Fluss in allen Systemen. Die methodische Neuorientierung der Kunst muss zwischen den Wissenschaften interdisziplinär ausgeweitet werden, auch in Richtung Anschluss auf die gezielte Ausnutzung der globalen Vernetzung und Multimediakultur.
Experimentalkunst
Kunst als Labor. Die Öffentlichkeit wird gebeten, an den Experimenten teilzunehmen.
"Experimentalkunst" – mit diesem Terminus soll eine neue Sachlichkeit gekennzeichnet werden, die mit gleicher Exaktheit den Menschen im Vordergrund, wie die verschiedenen Bezugsebenen der materiellen und immateriellen Strukturen im Hintergrund registriert. Das künstlerische Werk in der Experimentalkunst ist eine Umsetzung, und diese Umsetzung und Sprache, die sie annimmt, steht in enger Verbindung mit den Leitvorstellungen, in denen das Denken verläuft. Werke sind als Funktionen und Funktionsrichtungen der Denkmuster anzusehen. Diese Funktionen müssen nicht dringend an Materie gebunden sein. Teilaufgaben müssen sein: - Bisoziation -
Verknüpfung mehrerer Bezugsebenen
Es geht also um Kunst.
Kunst = visualisierte
Denkprozesse. Ort für 72 Stunden Kunst: Kino CinemaxX Wuppertal Um Reaktionen sowohl der Menschen in der ungewohnten Rolle als Rezipienten, als auch die Arbeitsbedingungen der Künstler zu untersuchen, organisiert man nicht eine Ausstellung mit an der Wand hängenden schönen Leinwandbildern und Skulpturen auf dem Fußboden. Man kredenzt auch keinen Champagner und schwingt geschwollene und im Übrigen auch geheuchelte Reden. Bei derlei Ausstellungen finden sich in Regel Pflichtbesucher, die schnell durch die Ausstellung rasen, um genauso schnell wieder zu verschwinden. Die Auseinandersetzung mit Kunst ist geheuchelt und gleich Null. „72 Stunden Kunst“, heißt 72 Stunden an einem Ort zu sein und an diesem Ort, der nicht für bildende Kunst ausgerichtet ist, vor Publikum künstlerisch zu arbeiten. Als Raum der Aktion „72 Stunden multimediale Kunst 2003“ wurde neben dem Schauspielhaus Wuppertal schon sehr früh ein Kino in die engere Wahl gezogen. Ist das Schauspielhaus vorwiegend für Theater und Tanz ausgerichtet, also dem intellektuellem Publikum vorbehalten, ist das Kino ein Ort des kommerziellen Genusses und somit für eine breitere Bevölkerungsmasse zu erwarten. Menschen in einem Schauspielhaus mit multimedialer Kunst zu konfrontieren schien uns zu simpel. Zudem haben dringend vorzunehmende Umbaumaßnahmen im Schauspielhaus die Realisierung der Aktion früh verhindert. Auch das Zugeständnis zur Zusammenarbeit und die Unterstützungsbemühungen der Verantwortlichen waren, wie sich in der Retrospektive herausstellt, geheuchelt. Die ersten Gespräche zu „72 Stunden Kunst 2003“ wurden mit dem Ressort für Stadtmarketing, Werbung und Kommunikation, Leitung Dr. Andreas Kletzander, geführt. Herr Dr. Kletzander war bereits nach den ersten Schilderungen der Idee und des Konzeptes begeistert, versprach uns Unterstützung und schlug aus pragmatischen Gründen den Ort „Kino“ vor. Derartige Menschen, wie Dr. Kletzander, lassen für die Zukunft hoffen. Der Grund für den
Vorschlag, das Kino „CinemaxX“ für die Aktion heranzuziehen, war das Schwebebahnfestival:
Auch die Leitung des CinemaxX-Kinos, Frau Nicole Sander, hat uns von Anbeginn unterstützt und uns fast alles möglich gemacht. Die Überlegung, „72 Stunden Kunst“ in ein Kino zu verlegen, war ursprünglich künstlerisch schwer einzuordnen. Aus forschungstechnischen Gründen aber ein optimaler Ort. Der Besucher, der das Kino mit der Intention betritt, sich entspannend in den Kinosessel zu setzen, um sich mit leichter geistiger Kost „berieseln“ zu lassen, wird schon am Vorplatz und dann auch noch im Foyer des Kinos mit Objekten, Klängen und Menschen konfrontiert, die nicht in das gewohnte Bild eines Kinos passen und mit dem Kinobetrieb offensichtlich nichts zu tun haben - eine Müllskulptur aus Wuppermüll, eine rote Tür, bemalte Anzüge, ein ausgestopfter Hase und Objekte an der Glasfassade, eine Badewanne, ein bemalter Flügel, eine Farb-Klang-Installation, Betten und Schrebergartenkultur im Foyer. Visuelle und akustische Akzente diffus wahrzunehmen aus dem Augenwinkel.
Planung Der Besucher wird als Rezipient eingesetzt und nimmt so, wie der Künstler, eine differente Position ein. Der Rezipient in einer klassischen Ausstellung heuchelt Interesse, der Kinobesucher muss das nicht. Erwartungsgemäß erwirbt der Kinobesucher eine Eintrittskarte und hat noch ein paar Minuten Zeit, die er sich mit Betrachten der Werke, der Künstler und vielleicht auch mit einer kurzen intellektuellen Auseinandersetzung vertreibt. Vielleicht hat er auch den Mut, den Dialog mit den Künstlern zu suchen. Das aushängende Programm „72 Stunden Kunst “ mit einer breiten multimedialen Show, unterbreitet dem Besucher die Möglichkeit, sich abends ab 20.00 Uhr kostenfrei in einem Kinosaal der Kunst zu ergeben. Filmische Dokumentationen der Arbeit der Künstler, der Umgebung und der Reaktionen, die von den Künstlern selbst und einem weiteren Kameramann fast ununterbrochen aufgezeichnet wurden, sollten ab 20.00 Uhr im Kinosaal 4 gezeigt werden. Diese Dokumentationen sollten mit experimentellen Klängen untermalt und in Abwechslung mit vorbereiteten absurden und künstlerischen Filmdokumenten vermengt und dem Publikum vorgestellt werden. Der interessierte Besucher hat also Gelegenheit, die Arbeit und den künstlerisch gestalteten „Umraum“, medial mitzuerleben und auch intellektuell zu begleiten. Damit sind sowohl die Sichtweisen der Künstler während ihrer Arbeit gemeint, aber auch Studien von Kinobesuchern und Spaziergängern selbst. Der Besucher hat also die Wahl, sich selbst als Rezipient einzusetzen und Teil der organischen Kunstmasse zu werden.
Beschreibung der Aktion In das Szenario „72 Stunden multimediale Kunst 2003“ im und vor dem Kino, als eine Aufeinanderfolge von visuellen und akustischen Ereignissen konstruiert, filmisch dokumentiert, multimedial präsentiert, binden sich die Künstler ein und werden ein Teil von ihr. Die drei
multifunktionalen Künstler:
Multimediakünstler und Musiker Kranemann, Aktions- und
Experimentalkünstler BrindlArt, und der Videokünstler und Musiker Blum,
arbeiten mit der Umgebung, den Menschen, mit verschiedensten Ideen und mit
sich selbst, 72 Stunden lang im Foyer des CinemaxX - Kinos und auf dem
Vorplatz des Kinos. Nachts, nach Beendigung des Kinoprogramms (ab 2.00Uhr) wollen die
Künstler schlafen. Sie nennen es „Kunstschlafen“. Die Künstler
schlafen hinter der Glasfassade des Kinos im Foyer und sind somit Teil der
Ausstellung. Während die Künstler schlafen, rezitiert eine computergenerierte Stimme nachts zwischen 3.00 Uhr und 6.00 Uhr wissenschaftliche
Texte über das Thema „Schlafen“.
Während des Schlafens können die Künstler von außen betrachtet und
beobachtet werden.
Analyse Konfrontation - Erstaunen - Irritation – Akzeptanz - Ignoranz – Vandalismus Durch den Ferienbeginn in NRW, die durchgehend enorme Hitze und dem Ausfall der Schwebebahn durch Reparaturarbeiten, war der Publikumsverkehr sowohl auf dem Vorplatz, wie auch im Kino erheblich eingeschränkt. So gab es Zeiten, freitags Nachmittag und sonntags Vormittag, wo nur wenige Menschen den Aktionsplatz überquerten. An bestimmten Stoßzeiten hasten ein paar mehr Menschen Richtung Kino, und man hat als Beobachter das Gefühl, als würde die Vorfreude auf den zu erwarteten Film die Wahrnehmung einschränken. In einigen Gesichtern lassen sich Spannung, Konzentration und vielleicht auch Erstaunen ablesen. Kunst wird nicht als Kunst wahrgenommen und stellt so auch keine Konkurrenz zur Unterhaltung "Kinofilm" für die Kinobesucher dar. Für manche Vorbeiziehende wirken die im Außenbereich installierten plastischen Objekte irritierend und auch spannend. Die Müllskulptur, die in der Nähe der Straße stand, wurde vorwiegend von Passanten, die nicht das Kino zu besuchen im Sinn hatten, betrachtet. Man hatte das Gefühl, einige finden diese Irritation (Müll in Form einer Plastik) belebend. Ein Passant fragt, ob diese Plastik stehen bleibe und wie man Vandalismus zu verhindern gedenke. Auf den Hinweis, dass es sich um ein temporäres Kunstwerk handelt, äußert er Bedauern. Ein weiterer Passant lobte den Aufbau und die Konstruktion der Plastik. Samstag Nacht zwischen 3.00 und 5.00 Uhr haben Passanten die Objekte im ungeschützten Außenbereich allesamt zerstört. Der Bretterzaun wurde regelrecht umgemäht, das Klavier aufgebrochen und die Müllskulptur umgeworfen. Beim Studium der liegenden Müllskulptur äußerte plötzlich ein älterer Passant seinen Unmut über die Müllberge in Wuppertal. Die spontane Assoziation von verursachtem Müll und einem Kunstobjekt aus gesammeltem Müll mag man mit etwas Phantasie als kreatives Denken deuten, obgleich der Tonfall zweifellos Aggression und Ablehnung spüren ließ. Es lässt sich nicht des Eindrucks erwehren, dass der aggressive Passant den Künstlern eine gewisse Mitschuld für die Müllberge in der Stadt und Umgebung anlastet. Die Installation „Der Roten Tür“ war aus der Sicht der Beobachter weniger ein Magnet als zu der Zeit, wo die Tür noch auf dem Beyenburger Stausee schwamm. Der unweit abgestellte bemalte Flügel fand mehr Anklang. Fast jede(r) Vorbeigehende(r) findet sich dem inneren Zwang ausgesetzt, einmal eine Taste zu betätigen. Einige wenige junge Menschen, vor allem die, die sich in Gruppen bewegen, finden den Mut, auf die Tasten zu schlagen. Andere wiederum möchten ihrer Gruppe zeigen, dass sie in der Lage sind, dem Flügel eine Melodie zu entlocken. Viele Menschen äußern Unverständnis, einen scheinbar intakten Flügel zu bemalen, geschweige denn zu zerstören. Der Flügel oder auch ein anderes Instrument scheint in unserer Kultur ein nach wie vor unantastbares Objekt zu sein. Keiner wagt dem schwarz lackierten Flügel mit seinen weißen Tasten ein Leid zuzufügen. Das Instrument scheint für Viele eine Seele zu besitzen. Nachdem der Flügel bemalt wurde, war aber die Hemmschwelle, darauf herumzuhacken, weit heruntergesetzt. Die Umwandlung des defekten Flügels von einem ehemaligen Instrument in ein Kunstobjekt durch Bemalung wird nicht als künstlerische Aufwertung gesehen. Die ersten Farben auf dem Lack waren gleichzeitig Signal, den Flügel als Objekt zu missbrauchen. Viele Kinobesucher unterschiedlichen Alters blieben an der Staffelei stehen und studierten das Manifest. Viele Passanten suchten den Dialog mit den Künstlern aus unterschiedlichen Gründen, die von Zustimmung bis Ablehnung reichten. Fazit: Kunst fällt, wie das Lernen, der Konsum- und Vergnügungssucht zum Opfer. Da das warenkapitalistische Denken und Verhalten unserer Gesellschaft den Gesetzen der Eigendynamik, im Sinne des geringsten Widerstandes, folgt, scheint die Entwicklung zum kulturellen Entwicklungsland unaufhaltsam. Die Arbeit von Künstlern wird in unserer Kultur als unbrauchbar verstanden und Kunst als dekoratives Beiwerk angesehen. Kunst wird heute nicht mehr nur belächelt, sondern einfach ignoriert. Kunstwerke werden zum Teil nicht als Werte angesehen, sondern in purer Lust an Zerstörung vernichtet. Nichts ist, wie es scheint. Verängstigte, paralysierte Herdentiere, die ihren individuellen Verstand ausgeschaltet haben, hasten blind durch die Welt. Journalisten arbeiten als Operatoren der Massenbeeinflussung und Propaganda. Allgemeine Gehirnwäsche: virulente Manipulationen, Propaganda-Infektionen, chronische Verblödung. Und die Rolle des Künstlers ? Experimentalkunst von Kranemann und BrindlArt als selbstbestimmter öffentlicher Auftrag, als eine immer wieder aufs Neue zu erbringende kommunikative Dienstleistung. Kunst als Labor.
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